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Michael Pranjic

Profession:
Tanz

Disziplin:
Breakdance
Geboren:
Essen

Wohnort:
Köln
Michael Pranjic

portraitiert am 12.02.2009

Warum tanzt du?
Aus diversen Gründen. Ich liebe die Musik, bin gern in Gesellschaft von Menschen und halte die körperliche Ertüchtigung für sehr wichtig, schon allein aus gesundheitlichen Gründen. So habe ich mir alles, was ich liebe und brauche, verbunden und zum Beruf gemacht, was praktisch der Idealfall ist. Ich schätze verschiedenste Musikstile für ihre Besonderheiten und ihre Einsetzbarkeit zu variierenden Gelegenheiten, sei es nun Funk, Swing, Klassik, Klassik in Jazz-Manier, Jazz mit Hip Hop, Breakbeat auf Latino-Riffs usw., dazu immer in Abhängigkeit von Stimmung, Zweck und Zuhörer. Soziale Kontakte sind mir sehr wichtig, und ich tanze einerseits für mich, andererseits ist der Tanz eine Sprache, mit der ich mich anderen mitteilen will und mit ihnen kommunizieren kann. Schiller sah das Theater als moralische Anstalt, das funktioniert ebenso mit Tanz, und Call-And-Response aus dem Jazz Läßt sich auch tänzerisch vollführen. Rhetorische Mittel der Sprache lassen sich übertragen auf den Tanz und Stimmungen, Situationen, Orte, Gesten lassen sich durch Bewegung selbst wieder darstellen und durchleuchten. Weiterhin ist mir viel am Breakdance gelegen. Es ist ein Tanzstil, für den man kein reiches Elternhaus braucht, ein Tanzstil, der wenige Schranken und Grenzen hat, in welchem nicht vorgeschrieben ist, wie der Fuß zu halten sei oder ähnliches. Meine Intention ist, Leuten außerhalb des Breakdance eben diesen näher zu bringen und vice versa den Tänzern im Breakdance und Hip Hop vermitteln, daß es noch eine Außenwelt gibt, mit der man korrespondieren kann und sollte. Dazu kommt, daß ich sehr gerne mit Kindern arbeite. Letztlich ist nicht außer Acht zu lassen, daß Breakdance körperliche Ertüchtigung in hohem Grade ist, der Gesundheit und nicht zuletzt dem allgemein bestehenden Bild von Ästhetik des Äußeren Erscheinungsbildes zuträglich.


In welchen Städten bist du in Sachen Tanz unterwegs?
Deutschlandweit, teilweise sogar bis ins Ausland, z.B. Genf, Barcelona usw.


An welchem Ort in Köln tanzt du?
Zurzeit unterrichte ich in den Tanzschulen Nett&Friends auf der Vogelsanger Straße 294 sowie in der Ballettschule Götz-Wolff in Porz, des weiteren in zwei Tanzschulen in Leverkusen


Was macht deinen Tanzstil aus?
Wie oben genannt, gibt es keine wirklichen Vorschriften den Tanz ansich betreffend. Die Bewegungen können in beliebige Richtungen gehen, an beliebigen Orten ausgeführt werden, zu beliebiger Musik. Jede Battle wird anders gehandhabt, Maßstäbe explizit für diese Veranstaltung festgelegt, ansonsten ist der Tanz frei und bedient sich auch an Elementen aus allen anderen Tanzrichtungen, auch aus dem Capoeira und Kampfsportarten sowie turnerischen Elementen. Wenn man etwas vollführt, das gut aussieht und ankommt, übernimmt man es. Ganz einfach.


Wie bist du zum Tanzen gekommen?
Zunächst hatte ich mich fürs damalige New Jack Swing interessiert, mit 14-15, besuchte ich die ersten Jugend-Discos und versuchte mich im Tanz. Mit 17 sah ich im TV, wie B-Boy-Idol Storm den Six Step erklärte, und das war der Anfang vom Breakdance. Die anfängliche Zeit war schwierig, da ich keinen richtigen Tanzort hatte und mit Freunden im Keller auf Kartons übte. Und wir hatten auch niemanden, der uns erklärte, wie es funktioniert. Ferner wechselten ständig die Leute, der eine hat keine Lust mehr, ein neuer kommt hinzu, der wiederum ein Jahr später aufhört usw. Es war sehr schwer, einen festen Stamm aufzubauen. Je länger man sich allerdings damit beschäftigt, desto größer werden Erfahrungsschatz, Bekanntenkreis etc.


Wie stellst du dir Deine Zukunft vor?
Ich werde nicht ewig selbst Breakdance machen können, zumindest nicht kommerziell, daher sehe ich mich einerseits in der Planung, Konzeptionierung, Oganisation und Durchführung, andererseits als Botschafter und Multiplikator des Breakdance und des Tanzes, der Musik und Kunst ansich.


Was möchtest du unbedingt noch erleben bevor Du stirbst?
Eine Familie haben. Oder war die fragee auf den Tanz bezogen?


Wer sind deine Helden / innen?
ch stehe zwar auf Comic-Verfilmungen, weil ich früher Comics liebte, aber ein Held des Alltags kann jeder sein. Boccaccio erzählte die Geschichte von einem König, der vor der schwierigen Aufgabe stand, sich für einen seiner drei Söhne zwecks der Vererbung des Familienringes zu entscheiden. So ließ er zwei weitere anfertigen. Nach seinem Tod stritten sich die drei Söhne, welcher nun den echten hätte, bis ein Richter verfügte, daß derjenige den Anspruch auf den originalen Ring hat, dessen Lebenswandel am ehesten rechtschaffen und ehrbar sei, so daß alle drei sich eben beste Mühe gaben. Held des Alltags zu sein ist einfach. Man muß nur ab und an denken und konsequent sein.


Welche Musik berührt dich?
Eigentlich kann mich jede Art von Musik auf ihre eigene Art berühren. Für mich zu hause, mal vom Tanz abgesehen, höre ich allerdings am liebsten Jazz, Swinbg, Blues, Funk oder heimatliche Musik, da ich Kroate bin.


Lebensmotto:
Viele Philosophen haben Weises gesagt, daß ich nun zitieren könnte. Vielleicht umschreibt am umfassendsten ein Zitat von Aristoteles meine Einstellung:
„Jeder Mensch hat dumme Gedanken. Aber der Weise behält sie für sich.“
Dies ist natürlich auch übertragbar auf die Handlungen.


Kontakt
michael-pranjic@gmx.de

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